So siehts aus!
Gerade eben habe ich ein tagesschau-Interview mit dem Arche-Gründer Siggelow gelesen. Es ist traurig, wie weit es mit unserem Sozialstaat gekommen ist, und wie die Kinder mitllerweile mitdenken. Am Ende des Interviews sagt Siggelow:
Was soll sonst helfen, Kinder mit schwachem sozialen Umfeld zu fördern? Das ist doch nur die Bildung. Unsere Kinder brauchen Perspektiven. Wir haben die von uns betreuten Kinder mal gefragt, was sie später werden wollen. Der größte Teil hat geantwortet: “Ich will Hartz-IV-Empfänger werden”. Und das nicht nur, weil ihre Eltern ihre Vorbilder sind, sondern weil sie wissen, sie haben keine anderen Chancen. Die zweite Gruppe wollte Arche-Mitarbeiter werden und die dritte Popstars. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Hartz-IV-Empfänger werden, ist am größten.
Das Interview gibt es auf tagesschau.de. Es errinnert mich aber eher an ein einen Artikel im Christlichen Medienmagazin pro: Eine Buchvorstellung, ein Anriss einer Veröffentlichung im Verlag Schulte & Gerth: Deutschlands sexuelle Tragödie. Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist. Und weil mich das Thema selbst bewegt und erschüttert, will ich ein wenig darauf eingehen.
Meine Großmutter, viele wissen schon was jetzt kommt, meine Großmutter sieht die Vergangenheit differenziert. Aber hauptsächlich war früher alles besser. Die Leute anständiger, die christlichen Werte wurden noch beherzigt, man hat sich gegenseitig geholfen. Im Fernsehen und in der Zeitung bekommt man nur am Rand mit, wie Deutschland so langsam verwahrlost. Trotz des vermeintlichen Wohlstands unseres Landes klaffen die beiden Großteile der Bevölkerung unseres Staates immer weiter auseinander, früher oder später sind wir wieder bei einer Zweiklassengesellschaft. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer, das steht fest. Während man in Berlin an soziale Ausgleiche denkt, und auch brav Geld an schlechter gestellte Familien denkt, geht auch eine andere Verwahrlosung in Deutschland, und auch in anderen Ländern vonstatten: Anstand? Werte? Modern Living! Mediengeilheit, Manipulation, Entertainment.
Entertainment. Das was in den Medien geschieht, beeinflußt. “Reden und Handeln von Jugendlichen und Kindern sind geprägt durch die Bilder, die in Massen auf sie einströmen.” Es geht auch um kleine Jungen wie beispielsweise Viktor, der schon mit fünf Jahren zuhause den ersten Pornofilm geschaut hat. Heute, mit acht Jahren, ist er extrem verhaltensauffällig. Er fasst andere Kinder und Erwachsene an den Geschlechtsteilen an, seine Ausdrucksweise ist geprägt durch sexistische Wörter. Seine Mutter findet nichts dabei, den Jungen Pornos sehen zu lassen, denn es gehe in den Filmen “ja nur um Sex”. “Je weiter meine Mitarbeiter und ich in die Welt der Kinder und Jugendlichen, die wir in der Arche kennenlernen, eintauchen und je mehr Gespräche wir mit ihnen und ihren Eltern führen, desto betroffener sind wir”, so Siggelkow.
Das Fernsehen richtet sich nach der konsumgeilen Bevölkerung. Es wird gesendet, was Quoten erzielt. Werte und Kultur scheinen im Moment nicht zu ziehen, also kommt man mit Blockbustern und modernen Serien und Seifenopern. Ich will niemanden speziell anklagen, aber es muss eine Veränderung in Deutschland stattfinden. Wenn kleine Kinder schon als Lebensperspektive haben, Hartz IV-Empfänger zu werden und Pornos zu schauen, und deren Eltern sich noch nicht einmal die Arbeitsmaterialien leisten können, dann wüsste ich auch nicht, welche Perspektive da noch sein soll. Ich bin mir unsicher, inwieweit diese Entwicklung weitergehen wird, denn solche Mißstände betreffen vor allem das mir eher unbekannte, städtische Umfeld. Trotzdem nochmal mein Impuls: Umdenken und einlenken. So kann es nicht weitergehen.
“So siehts aus!”