/home/rbrueckner

Danke, liebe Elke

2008 October 19th
2 Zeuchs

Elke Heidenreich

Elke Heidenreich

Ich konnte Frau Heidenreich eigentlich noch nie so recht leiden, das Konzept ihrer Sendung Lesen! gefiel mir – auch als Fernsehabstinenzler jedoch. Nach der durchaus verständlichen Abweisung des Fernsehpreises durch Reich-Ranicki geht durch diesen Funkensprung hoffentlich ein Feuer der Erkenntnis an.

Während die Sendung “Aus aktuellem Anlaß” eher kein durchschlagender Erfolg, sondern eher ein Beweiß der Schlagfertigkeit war, schaltete sich die Moderatorin der Literatursendung “Lesen!”, Elke Heidenreich nun mit in die Diskussion ein. Sie zeigte sich schon unmittelbar nach der Preisverleihung hinter Ranicki stehend, und veröffentlichte dazu einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie übte kräftig Kritik an ihrem Arbeitgeber, dem ZDF.

ZDF-Intendant Schaechter. Quelle: ZDF

ZDF-Intendant Schächter

Nun aber legte ihr der ZDF-Intendant Schächter nahe (andere Autoren reden von Drängen, unter Umständen auch das) sich vom ZDF zu verabschieden, nachdem sich Heidenreich über den Fernsehpreis (O-Ton: “hirnlose Scheiße!”) aufregte. Ist denn die Kritik an einem Organ gleich damit verknüpft, sich von einem Organ verabschieden zu müssen? Das hätte man damals nicht gern gesehen, denn so eine Eingabe in der DDR sollte ja auch nur möglichst dazu beitragen, dass es besser werde. Aber genug von der deutschen Vergangenheit, schauen wir in die gegenwärtige Televisionsbranche.

Neben “Küchenschlacht”, “Telenovela X” und “Seifenoper Y” gibt es aber auch noch die ein oder andere vernünftige, inhaltlich wertvolle Sendung. Wenigstens arte und PHOENIX strahlen einigermaßen annehmbare Inhalte aus – aber eben nur auf Nebenkanälen. Schon längst sind die Hauptsender ARD (formerly known as “Das Erste”) und ZDF zu Entertainmentkanälen verkommen: Kochshows, Quizsendungen, Fernsehlovestorys. All das wäre nicht so tragisch, wären ARD und ZDF nicht Öffentlich-Rechliche Fernsehanstalten. Diese haben jedoch den Auftrag zur Grundversorgung. Leider ist diese Bergifflichkeit sehr schwammig, sodass man nicht genaue Grenzen abstecken kann. Aber bevor allem ist mit der Grundversorgung die Bereitstellung von Informationen, Wirtschafts- und Politikunabhängig, was eben die privaten Sender nicht leisten können. Aber können die öffentlich-rechtlichen Sender dies?

Öffentlich-Rechtliche Fernsehsender

Öffentlich-Rechtliche Fernsehsender

Es liegt mir aber eigentlich sehr fern, das ganze jetzt alles noch einmal genau zu analysieren, denn als Fernsehabstinenzler will ich dann doch eher den Impuls in eine andere Richtung geben. Die Qualität des deutschen Fernsehens ist keine Krankheit, kein Problem an sich. Die Qualität und der Inhalt für die Massen, das ist nur ein Symptom dafür, dass es einfach nicht mehr möglich ist, die breite Masse für Kultur zu begeistern. Ich will nicht von einer Verdummung reden, aber schon allein die Konsumgeilheit, das Verlangen nach dem unterhalten-werden, das alles verdrängt sie einfach: Die guten Politprogramme, Nachrichtenaufbereiter und Dokumentationen, das was einem auf den neusten Stand bringt. Anstattdessen steht im deutschen Fernsehn jedoch “Wege zum Glück”, “Küchenschlacht”, “Rote Rosen” und anderes. Wir sinken, ich will nicht sagen wir sind schon gesunken, auf das Niveau des US-Fernsehens ab. Wenn nichts geändert wird, und hier ist eigentlich der Lichtblick an der ganzen Sache:

Wenn ich sage, dass das ganze das Symptom eines Problems, einer Krankheit ist, dann muss es ja auch eine Lösung geben, oder? Es muss eine deutliche Rolle in der Erziehung spielen, wie man mit den Medien umgeht, wie und vor allem wie viel man konsumiert. Vielleicht können so unsere Kinder eines Tages wieder eine Basis der Erwartung an das Fernsehen darstellen. Denn nur durch das Verlangen der Masse nach Kultur, nach Politbarometern und Diskussionsrunden, Lyrik und Epik, nur so werden Quoten erreicht. Quoten, die die marktwirtschaftlich denkenden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender wieder herunterholen. Dieses soziale Problem, diese Konsumgeilheit, die gilt es zuerst zu bekämpfen. Es sei denn es geschieht ein Wunder, und die Sender kommen wieder auf einen rechten Pfad.

Tut sein wo: Kultur & so, Medien, Reallife