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Jenson, die Säge

2008 December 27th
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Meine Platzreservierung durch die Bahnagentur eines Bekannten lautete Wagon 4, Platz 53 Gang. Somit saß ich auf der in Fahrtrichtung linken Seite des Zuges, jedoch eben gegen Fahrtrichtung. Es war eigentlich ein netter Platz, die Person, die rechts neben mir saß war nett und problemlos, auch hinter und links von mir gab es nur leise, genügsame Mitfahrer. Plätze 61 bis 64 belegte eine ältere Dame, Großmutter von Lissie und Jenson.

Es ist äußerst interessant, allein vom Zuhören könnte ich behaupten, ich kenne die Familie, nur der Nachname ist mir unbekannt. Lissie ist 14 Jahre alt, „Bravo“ Leserin, trägt einen Wollpullover und meines Erachtens schwarz gefärbte Haare. Jenson hingegen ist unruhig, schwer zu bändigen, wobei auch kein Versuch zu erkennen ist. Nur als es an das Handy und die Handtasche der älteren Dame geht, greift man deutlich ein. Gemeinsam mit meinem Großraumabteil nehme ich das Schicksal hin.

Der eine nimmt es mit Ausflügen in das Bordrestaurant und schauen eines Porsche-Werbefilmes auf seinem MacBook Pro hin, der andere schläft, und andere schütteln einfach nur den Kopf. Kurz Jenson bemerkt nach einiger Zeit, dass das Tagebuch der größeren Schwester etwas sehr interessantes sein kann. Nur zu dumm, dass darauf ein Zahlenschloß ist, mit einer Buchstabe – Zahl – Kobination.

Kurz vor Berlin war es nicht nur eine Person, die einen Seufzer hörbar machte und erleichtert war, von dieser Gruppierung getrennt zu sein. O-Ton eines Mitleidenden: “Fast einen Vierteltag nur so ein Scheiß! Ihr seid doch alle erst später eingestiegen! Sechs Stunden!”

Tut sein wo: Reallife

Blinde Zumutungen

2008 December 27th
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Wer viel unterwegs ist, erlebt so einiges, soll man meinen. Und es ist wirklich so: Nie sonst werde ich auf so viele Kuriositäten und erstaunliche Dinge aufmerksam, nur bei Reisen mit der Bahn ist „richtig was los“.

Um mit dem Zug nach Berlin zu gelangen, muss man einiges an Zeit mitbringen: Der normale ICE fährt von Frankfurt aus zirka 4 Stunden, und ja nach Abfahrtszeit kann das einen halben Tag bedeuten. Meine Reise fing um 6:30 Uhr an einem Regionalbahnhof an der Rheinstrecke an, damit ich um viertel nach Acht den ICE von Frankfurt nach Berlin nehmen konnte. Der Wecker rappelte also schon um 05:00 Uhr, sodass ich noch genug Zeit hatte, das Gepäck zurchzugehen, mehrere Male die Tickets zu checken und noch einen ganz kleinen Kaffee zu trinken.

Die Art und Reihenfolge der Ernährung auf meinem Weg brachte es dann so mit sich, dass mich nach einiger Zeit das Bedürfniss überkam, die Toilette zu besuchen. Ich muss wohl niemanden erklären, was das in einem Zug bedeutet: Statistisch gesehen, tummeln sich in diesem 5m³ ein paar tausende Kolibakterien, nicht zu sprechen von Flüssigkeiten und sonstigen Schädlingen.

Man muss nicht gestört sein, um vor einem Besuch der Toilette penibelst darauf zu achten, was man anfasst und worauf man sich setzt. Hilfreich sind in diesem Fall ein paar Stücke Klopapier, und bei vorhandensein auch etwas Desinfektionsspray oder feuchte Tücher. Ich in meinem Falle hatte natürlich, typisch für mich, nichts von alledem zur Verfügung stehen, also nur Klopapier. Das Ritual wurde vollzogen und ich fühlte mich immer noch nicht zu Hause und recht wohl, aber trotzdem konnte ich es hinter mich bringen.

Nach der Nutzung des durchaus interessanten Spülsystems der Toilette fiel mir die Braille-Schrift an jedem Schalter der Toilette auf. Durchaus interessant, denn Blinde wären auf diesen Toiletten ohne Braille aufgeschmissen. Das einzige Problem, welches sich den Blinden dann stellt, ist der Umgang mit der Sauberkeit einer solchen Bahntoilette. Weiter wage ich zu bezweifeln, dass ein Blinder Seife und Papierhandtücher findet, denn selbst als Sehender hat man damit Probleme.

Auf meine Nachfrage beim Bordpersonal, ob die Blinden beim Besuch der Toilette Hilfestellung bekämen, erhielt ich leider keine ernstzunehmende Antwort. Schade eigentlich, den sie könnten ja erfühlen, welcher Knopf die Klospülung auslöst. Es bleibt die Frage, warum dann überhaupt Braille auf den Knöpfen? Sehbehinderte, die im Klo klarkommen, tun dies auch ohne Braille, und die nicht klarkommen, denen wird mit dem Punktesystem auch nicht geholfen.

Nachdem ich dann endlich die Seife sowie die Papierhandtücher gefunden hatte, öffnete ich mit dem letzte Rest Recyclingpapier die Tür und atmete auf. Die Luft roch nicht ganz rein.

Tut sein wo: Reallife